54 kleine Friedrich Harkorts

Friedrich Harkort wird gerne als „Vater des Ruhrgebiets“ bezeichnet. Aus Hombrucher Sicht vielleicht noch wichtiger: Er ist die bedeutendste historische Persönlichkeit des Stadtteils. Nicht ohne Grund sind unter anderem die Haupteinkaufsstraße, eine Schule und der Harkortbogen nach ihm benannt, und es zieren gleich zwei Harkort-Statuen das Stadtbild. Viele Argumente, sich intensiver mit dem Industriepionier und Politiker zu beschäftigen, der im 19. Jahrhundert die Geschichte unserer Region entscheidend mitgeprägt und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt hat.

Da wird Friedrich Harkort zum Superstar: Der Auftakt zum MeinFriedrich-Schulprojekt hat gezeigt, wie beliebt der Industriepionier und Politiker, hier vertreten durch eine MeinFriedrich-Skulptur in der Bildmitte und die Harkort-Köpfe, mit denen die Kinder angeleitet durch den Hagener Künstler Uwe Will (hinten 1. v. l.) Harkort-Figuren formen werden, in der Brüder-Grimm-Grundschule ist. (Alle Fotos: Peter Otworowski/Hombruch-Forum e. V.)

Das werden in den nächsten Wochen 54 Schülerinnen und Schüler der Hombrucher Brüder-Grimm-Grundschule ganz handfest betreiben. Unter Anleitung des bekannten Hagener Künstlers Uwe Will wird jedes Kind eine eigene Friedrich-Harkort-Figur gestalten. Dazu hat er 54 Harkort-Köpfe aus Gips angefertigt und mit einem Stab zur Befestigung versehen. Im Rahmen des Projektes werden die Kinder nun unter seiner professionellen Anleitung die jeweiligen Körper aus Ton modellieren. „Mein Ziel ist es, dass sie die Körper ganz frei nach ihren Vorstellungen gestalten und nach der mehrtägigen Trocknungsphase mit verschiedenen Farben bemalen“, erläutert der Künstler, der bereits über mehrere Jahrzehnte lang vielfältige Erfahrungen mit ähnlichen Projekten in anderen Schulen gesammelt hat. „Ich finde es immer wieder schön, wie gerne und mit wie viel Eifer die Kinder dabei mitmachen“, erklärt Uwe Will.

Den Kontakt zu Uwe Will hat Dr. Helmut Franzen vom Lions Förderverein Wetter (Ruhr) hergestellt. „Wir beim Lions Club Wetter (Ruhr) sind sehr froh über die Entwicklung unseres MeinFriedrich-Projektes hier in Dortmund-Hombruch“, sagt der Initiator des MeinFriedrich-Benefizkunstevents 2015. Hombruch sei zusammen mit Hagen und Wetter (Ruhr) der wichtigste Ort im Leben von Friedrich Harkort, so Dr. Helmut Franzen. „Unsere Kooperationspartner in und um Hombruch haben die Grundidee des MeinFriedrich-Projektes von Anfang an verstanden, aktiv unterstützt und mit neuen auf Hombruch zugeschnittenen Ideen angereichert“, berichtet der Herdecker und erwähnt in diesem Zusammenhang Tilo Cramm, der als exzellenter Kenner der Geschichte Hombruchs und Friedrich Harkorts die Ausstellung von 15 MeinFriedrich-Skulpturen im November 2015 mit einem vielbeachteten Vortrag begleitet hat. „Das Projekt an der Brüder-Grimm-Grundschule stellt nun einen weiteren und sehr eigenständigen Höhepunkt des MeinFriedrich-Projektes dar“, pointiert Dr. Franzen. Aus dem kreativen Dialog von Schulleiterin, Lehrerinnen und dem Hagener Künstler Uwe Will sei ein innovativer Ansatz entstanden, der die Grundschulkinder zu Akteuren des MeinFriedrich-Projektes im Kunstunterricht mache. „Eine tolle Geschichte! Ich bedanke mich im Namen des Lions Clubs Wetter (Ruhr) bei allen Beteiligten von ganzem Herzen für Ihr so erfreuliches Engagement!“, resümiert der Initiator des MeinFriedrich-Benefizkunstevents 2015.

Dr. Helmut Franzen vom Lions Club Wetter (Ruhr) hat den Kontakt zum Hagener Künstler Uwe Will (v. l.) hergestellt.

Die gesamten Materialkosten des Projektes trägt das Stadtbezirksmarketing Dortmund-Hombruch. „Beim Erstellen der Harkort-Skulpturen wird den Schülerinnen und Schülern ein Stück Hombrucher Geschichte näher gebracht“, begründet Bezirksbürgermeister Hans Semmler, der Vorsitzende des Stadtbezirksmarketings Dortmund-Hombruch, dieses Engagement und betont: „Mein Dank gilt den Schülerinnen und Schülern sowie allen Beteiligten!“ Als ehemaliger Schüler der Brüder-Grimm-Schule freut sich Hans Semmler selbstverständlich ganz besonders über die Realisierung des MeinFriedrich-Schulprojekts an „seiner“ alten Bildungsstätte. „Sicherlich wird auch die Ausstellung am Martini-Sonntag auf großes Interesse stoßen“, hofft der erfahrene Bezirkspolitiker, der die Brüder-Grimm-Schule von 1952 bis 1960 besucht hat.

Das Stadtbezirksmarketing Dortmund-Hombruch - hier im Bild (v. l.) der Vorsitzende Hans Semmler, Geschäftsführerin Silvia Hollmann-Schiek und der stellvertretende Vorsitzende Ulrich Steinmann - übernimmt die Materialkosten des MeinFriedrich-Schulprojektes.

Diese Begeisterung für das neue Projekt wird auch an der Schule geteilt. „Ich finde es am besten, dass man die Figuren, die wir herstellen, dann auch sieht und bei einer Ausstellung zeigen kann“, sagt Florian Tebbe, Klassensprecher der 4b. „Wenn wir dann immer die große Friedrich-Harkort-Figur in der Schule haben, können sich alle Kinder auch viel besser vorstellen, wie er einmal ausgesehen hat“, freut sich der Neunjährige auf die MeinFriedrich-Figur, die die Schule im Rahmen des Projekts geschenkt erhält, „denn vorher konnten wir ihn uns nicht so genau vorstellen.“

„Ich freue mich schon auf das Töpfern und Herstellen der Figuren“, sagt Charlotte Reissenberger, ebenfalls neun Jahre jung. „Das ist sicher ein bisschen schwieriger, aber ich glaube, wir bekommen das hin“, ist sich die Klassensprecherin der 4b sicher.

Charlotte Reissenberger und Florian Tebbe sind die Klassensprecher der 4b, die den Anstoß dazu gegeben hat, der letztendlich im Mein-Friedrich-Schulprojekt mündet.

„Wenn Kinder im Unterricht motiviert an einem Thema wie der Geschichte Friedrich Harkorts arbeiten, die dabei auftretenden Fragen oder Ideen selbstbewusst äußern, indem sie einen Brief an den Bezirksbürgermeister schreiben, von diesem damit ernstgenommen werden und ihre Idee darin mündet, dass sich verschiedene Institutionen an der Umsetzung beteiligen - dann ist dies' der Idealfall, interessierte und mündige ‚junge Bürger’ zu bestärken“, lobt Schulleiterin Anita Böhler und bringt es auf den Punkt: „Für die Kinder eine tolle Erfahrung!“ Das sieht auch Claudia Eberts, die Klassenlehrerin der 4b, so. „Für die Kinder ist die Herstellung der Friedrich-Harkort-Figuren aus Ton nochmals eine aktiv-handelnde Beschäftigung mit dem Thema und vertieft das Ganze nachhaltig und sicherlich unvergesslich“, sagt die Lehrerin.

Schulleiterin Anita Böhler und Rechtsanwalt Christian Dreier, der Vorstandsvorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer der Brüder-Grimm-Grundschule, freuen sich auf das MeinFriedrich-Schulprojekt.

„Ich freue mich als Vater zweier Kinder auf der Brüder-Grimm-Grundschule sowie in meiner Funktion sowohl für das Hombruch Forum als auch für den Förderverein der Brüder Grimm Grundschule, dass Hombruch in der Lage ist, Projekte dieser Art zu fördern und erfolgreich umzusetzen“, erklärt Christian Dreier als Vorstandsvorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Brüder-Grimm-Grundschule und als Vorsitzender des HF-Ausschusses „Kinder & Jugend“.

Damit die Kinder der Klassen 4a und 4b nicht immer bis zum Hombrucher Marktplatz laufen müssen, um sich Anregungen zum Aussehen von Friedrich Harkort zu holen, erhält die Brüder-Grimm-Grundschule eine MeinFriedrich-Skulptur geschenkt. Auch demnächst soll sie die Schülerinnen und Schüler der kommenden Generationen beim regionalen Geschichtsunterricht begleiten. „Ich bin ganz begeistert von diesem Konzept“, freut sich Heinz-Herbert Dustmann vom Hombruch-Forum e. V. (HF). Die Vereinigung unternehmerisch Tätiger aus Hombruch und Umgebung hat dafür schon vor Monaten die letzte verfügbare MeinFriedrich-Figur geordert. Das Projekt sei eine wunderbare Möglichkeit, damit junge Menschen gelebte Historie im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“ können, so der Vorstandsvorsitzende. „Denken Sie doch mal an Ihre eigene Jugend“, erinnert Heinz-Herbert Dustmann die Erwachsenen von heute an deren Schulzeit, „wie viele theoretisch vermittelte Unterrichtsinhalte haben Sie damals ganz schnell wieder vergessen? Aber das, was wir in die Hand nehmen und nach Hause tragen können, bleibt uns immer im Gedächtnis!“

Christian Dreier (v. l.), hier in seiner Funktion als Vorsitzender des HF-Ausschusses „Kinder und Jugend“, und der HF-Vorstandsvorsitzende Heinz-Herbert Dustmann übergeben zum Start des Projektes eine MeinFriedrich-Skulptur an die Schülerinnen und Schüler der Brüder-Grimm-Grundschule.

Bevor die Kinder ihre Friedrich-Harkort-Figuren allerdings zu Hause aufstellen werden, wird ganz Hombruch die künstlerischen Ergebnisse bewundern können. Zum Martini-Sonntag am 6. November 2016 werden die Schülerinnen und Schüler ihre Werke öffentlich präsentieren und hoffen auf großes Publikumsinteresse. In diesem Sinne wird der Martini-Sonntag in diesem Jahr gleichzeitig ein Friedrich-Harkort-Fest sein.

Die Vorgeschichte: Viele Fäden werden zu einem Ganzen verknüpft

Ein erster Faden: Den Wunsch nach einem Schulprojekt hatte Dr. Helmut Franzen vom Lions Förderverein Wetter (Ruhr), der Initiator des MeinFriedrich-Benefizkunstevents 2015, bereits bei der Vorbereitung der MeinFriedrich-Ausstellung zum Hombrucher Martini-Sonntag 2015 geäußert. Allerdings war die Vorbereitungszeit für eine schnelle Umsetzung damals zu kurz gewesen.

Ein zweiter Faden: Wie in jedem dritten Schuljahr befasste sich die damalige Klasse 3b (jetzt 4b) mit der Geschichte Hombruchs und dabei selbstverständlich auch mit der Rolle Friedrich Harkorts für den Stadtteil. Diese Bedeutung fiel natürlich den Kindern auf und so entstand die Frage, warum es denn kein Fest zu Ehren Harkorts in Hombruch gäbe. Daraufhin schrieben sie diese Frage und ihr Anliegen Bezirksbürgermeister Hans Semmler, der sich zunächst telefonisch rückmeldete und dann auch bereit war, einen Vor-Ort-Termin in der Schule abzuhalten. An einem Vormittag stand er den Kindern Rede und Antwort und setzte sich unter anderem mit der Frage nach dem Harkort-Fest auseinander. Er versprach seinen jungen Zuhörerinnen und Zuhörern, sich zu erkundigen und eine Rückmeldung zu geben.

Ein erster Knoten: Von Rechtsanwalt Christian Dreier, der gleichzeitig Vorsitzender des HF-Ausschusses „Kinder & Jugend“ und Vorstandsvorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Brüder-Grimm-Grundschule ist, erfuhr HF-Geschäftsführer Peter Otworowski von dem Wunsch der Kinder nach einem Harkort-Fest. „Darin habe ich einen guten Ansatzpunkt gesehen, um das MeinFriedrich-Schulprojekt nun doch zu verwirklichen“, erläutert der Geschäftsführer.

Ein zweiter Knoten: In einer Besprechung mit Anita Böhler und Claudia Eberts von der Brüder-Grimm-Grundschule, Dr. Helmut Franzen vom Lions Club Wetter (Ruhr), Bezirksbürgermeister Hans Semmler sowie Christian Dreier und Peter Otworowski vom Hombruch-Forum wurden Anfang Mai 2016 Überlegungen für die Umsetzung eines MeinFriedrich-Schulprojektes ausgelotet. Dabei wurde die Idee geboren, dass dieses Projekt für Kinder im Grundschulalter am besten künstlerisch und begreifbar-kreativ ausgerichtet sein sollte.

Ein dritter Faden: Dr. Helmut Franzen stellte kurz darauf den Kontakt zu dem Künstler Uwe Will her, der sich sofort bereit erklärte, das Vorhaben zu unterstützen.

Ein dritter Knoten: Die Lehrerinnen der Brüder-Grimm-Grundschule besuchten gemeinsam mit Dr. Helmut Franzen Mitte Juni 2016 Uwe Will in seinem Hagener Atelier und entwickelten bei dem Besuch und in der Folgezeit das künstlerische Konzept des MeinFriedrich-Schulprojektes.

Mit der Übernahme der Materialkosten durch das Stadtbezirksmarketing Dortmund-Hombruch und den Kauf der MeinFriedrich-Skulptur durch das Hombruch-Forum wurden die letzten Voraussetzungen geschaffen. Nun ist der Teppich gewebt, auf dem die Kinder der Brüder-Grimm-Grundschule mit ihren Händen Geschichte gestalten können.

Voller Begeisterung haben die Kinder der Brüder-Grimm-Grundschule die MeinFriedrich-Skulptur in ihre Reihen aufgenommen und werden engagiert an der Gestaltung der eigenen Harkort-Figuren mitarbeiten.